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Kalkstein

Ein Naturstein mit vielen Gesichtern

Kalkstein-Fliesen Cleopatra Light FrontalaufnahmeKalkstein-Fliesen Cleopatra Light

Kalkstein ist vielseitig einsetzbar

Kalkstein ist ein nahezu universell einsetzbarer Naturstein. Es gibt nur wenige Bereiche, in deneneine Nutzung nicht sinnvoll erscheint. Mit seiner breiten Farbpalette sowie seiner von Natur aus sehr homogenen  Oberfläche überzeugt der Kalkstein im Innen- und Außenbereich. Ob als Bodenbelag oder als Verkleidung: Kalkstein kommt für alle Bereiche am Boden und an der Wand zum Einsatz. Platten und Fliesen in allen Größen und Formen sowohl für innen als auch für außen sind die Hauptverwendung von Kalkstein. Auch Kalkstein-Pflastersteine gibt es.

Kalkstein-Fliesen Miros, gebürstet, seitliche Aufnahme mit zwei grünen VasenWie gemacht für helle und freundlich wirkende Räume: Kalkstein Miros

Kalkstein – Verwendung in Haus und Garten

Ganze Gartenanlagen lassen sich mit Kalkstein erschaffen. Gartenwege aus Natursteinplatten, in Hanglagen verknüpft mit Stufen aus Kalkstein, fügen sich sehr gut in jeden Garten ein. Trockenmauern und Mauern, komplett erbaut aus Kalkstein, runden das Bild ab. Alternativ nutzt man Kalkstein nur für die Abdeckplatten der Mauern. Am Haus heben Tür- und Fensterumrandungen sowie Fensterbänke aus Kalkstein das optische Empfinden. Neben Platten und Fliesen bietet sich im Hausinneren der Einsatz von Kalkstein als Verkleidung und Verblendung von Sockeln, Treppen und Wänden an. Auch ganze Treppen aus Kalkstein sehen großartig aus. Sehr stimmungsvoll ist der Einsatz von Kalkstein als Kaminverkleidung. Im Bad ist Kalkstein nur mit Einschränkungen einsetzbar. Der Stein muss vor der Verwendung speziell behandelt werden. Dann aber lässt er sich in Duschen und sogar als Waschbecken verbauen. Ähnlich wie Marmor eignet sich Kalkstein auch hervorragend für Zierobjekte wie z.B. Figuren und Statuen oder größere Nutzobjekte, wie beispielsweise Parkbänke.

Allein beim Einsatz im Küchen- oder Arbeitsbereich ist zu bedenken, dass durch die vergleichsweise geringere Härte des Kalksteines der Stein  weniger belastbar ist. Auch sollte darauf geachtet werden, dass keine sauren Substanzen auf den Stein gelangen, da schon leichte Säuren die Oberfläche des Steins schädigen können.

Calcit – der Hauptbestandteil von Kalkstein

Die Hauptkomponente von Kalkstein ist das Mineral Calcit. Es bestimmt die Eigenschaften des Gesteins wesentlich. Calcit ist ein durchsichtig bis weißliches Mineral mit einer geringeren Härte. Es macht Kalkstein auch vergleichsweise kratzempfindlicher als beispielsweise magmatische Tiefengesteine wie Granit. Kleine Kratzer werden aber durch eine normale Beanspruchung der Laufflächen wieder herausgelaufen und sind so kaum bis gar nicht mehr sichtbar. Ein weiterer Effekt dieser geringen Härte ist die begrenzte Politurbeständigkeit, deshalb wird Kalkstein in der Regel nur feingeschliffen und nicht poliert.
Calcit ist zudem säureempfindlich. Eine Verwendung von Kalkstein als Küchenplatte oder in Arbeitsbereichen empfiehlt sich daher nicht.
Für den Einsatz im Nassbereich muss Kalkstein imprägniert oder versiegelt werden. Da fast alle im Bad verwendeten Produkte leicht sauer sind oder auf Kalkstein Flecken bilden können, würden unbehandelte Kalksteine sehr bald ein unschönes Aussehen bekommen.
Für den Außeneinsatz ist zu beachten, dass Kalkstein nur bedingt frostbeständig ist. Bei der Verlegung sollte darauf geachtet werden, dass das Material nicht “im Wasser steht”. Der Unterbau muss so ausgeführt werden, dass eine ausreichende Drainage sichergestellt ist. Im Winter ist der Einsatz von Streusalzen nicht zu empfehlen, da Kalksteine nicht Tausalzbeständig sind.

Kalkstein-Fliesen Cleopatra Light seitliche AufnahmeDie matte Oberfläche macht den Reiz der Cleopatra Light-Fliesen vollkommen

Beeindruckende Farbvielfalt von Kalkstein

Ein Hauptmerkmal von Kalkstein ist seine Vielfarbigkeit. Es überwiegen helle, graue bis graugelbe Farbtöne, aber auch gelbe, braune, rote, grünliche, bläuliche und sogar schwarze kommen vor. Kalkstein aus reinem Calcit wäre wie Marmor weißlich. Erst durch verschiedene Beimengungen entstehen die vielen Farben des Gesteins. Gelbe und braune Farbtöne werden verursacht durch Limonit, rote und rötliche durch Hämatit, graue und schwarze durch organische Kohlenstoffverbindungen (Bitumina). Die grünen und blauen Farben entstehen durch das Mineral Glaukonit. Für die Farbgebung braucht es nur geringe Mengen der Minerale, die meist nur wenige Prozent der Gesamtmenge ausmachen.
Kalkstein hat eine relativ matte Oberfläche, selbst im geschliffenen Zustand. Dafür verantwortlich sind die sehr kleinkörnige Struktur des Gesteins und die farbigen Beimengungen, welche das Licht stark streuen.
In der Regel sind Kalksteine eher einfarbig und sehr homogen in ihrer Textur. Während der Entstehung des Gesteins können sich aber die äußeren Bedingungen ändern, wodurch unterschiedlich farbige Schichten entstehen.
Insbesondere bei hellen Kalksteinen ist es wichtig, die Oberfläche zu imprägnieren. Modernste High-tech-Imprägnierungen legen sich wie ein unsichtbarer Schutzschild auf die Oberfläche und mindern die Saugfähigkeit. So wird die Gefahr von Fleckenbildung durch Verschmutzung deutlich gemindert. Bei schwarzen Kalksteinen hingegen besteht zum Teil eine Gefahr des Ausbleichens. Indem die im Gestein enthaltenen organischen Kohlenwasserstoffe umgewandelt werden, verringert sich der Schwarzwert des Steines.

So wird Kalkstein abgebaut

Kalksteine haben eine relative geringe Dichte (2.6 – 2.8 g/cm3). Wegen dieser Eigenschaft ist der Stein besonders leicht zu verarbeiten. Deshalb  wurde er in der Antike gerne für den Bau große Bauwerke benutzt. Als bekanntestes Beispiel sei hier die Cheops Pyramide von Gizeh erwähnt, deren Außenhaut aus Kalkstein erbaut wurde.

Heute sieht das Ganze natürlich anders aus. Im Steinbruch werden die großen Blöcke zuerst zersägt und gespalten, bis sie die richtige Größe für die Weiterverarbeitung haben. Für die Bearbeitung der Endprodukte (Platten, Steine) gibt es vielerlei Möglichkeiten. Für den Außenbereich werden die Oberflächen häufig gestockt oder sandgestrahlt, um eine gewisse Rauigkeit zu erzeugen. Die Seitenflächen lässt man hingegen oftmals bruchrau. Für den Innenbereich werden die Oberflächen feingeschliffen oder getrommelt. Auf Grund der geringeren Härte wird in der Regel nicht poliert. Gesägten Kanten werden getrommelt, handgeschlagen oder gefast (im 45° Winkel geschliffen), damit ein schönes Fugenbild entsteht.

Kalkstein-Fliesen Miros gebürstet mit zwei grünen DekovasenNahaufnahme einer Kalkstein-Fliese Miros

Die besondere Haptik des Natursteins

Die geringere Härte ist für das einzigartige Oberflächengefühl von Kalkstein verantwortlich. Im Gegensatz zu anderen Natursteinen fühlt sich  Kalkstein richtiggehend ,,weich" an. Beim Anfassen fühlt sich die Oberfläche selbst im gebrochenen Zustand nicht rau an. Insbesondere im ungeschliffenen Zustand nimmt man eine wellige Oberfläche wahr. Aufgrund seiner homogenen Textur und seiner  dezenten mattierten Oberfläche entfaltet Kalkstein seinen wahren Reiz besonders bei getrommelten und gebürsteten Oberflächen. Geschliffene und polierte Kalksteine würden diese Wirkung verlieren.

Kalksteinvorkommen weltweit

Kalkstein ist eines der am häufigsten vorkommenden Gesteine auf der Welt. In Deutschland und in Europa gibt es zahlreiche Steinbrüche, in denen sehr unterschiedliche Kalksteine abgebaut werden. In Deutschland wird Kalkstein in der Fränkischen Alb, im Harz, im Rheinischen Schiefergebirge, in der Schwäbischen Alb, im Thüringer Schiefergebirge, im Weserbergland und in der Westfälischen Bucht abgebaut. Der bekannteste Kalkstein ist sicher der Solnhofener Kalkstein aus der Fränkischen Alb. Gängig sind auch die Sorten Jura Gelb und Jura Grau. Aus dem Ausland werden vor allem Kalksteine aus Frankreich und Italien gehandelt. Bekannt sind die Sorten Buxy (beige-hellbraun), Comblanchien (beige-rosa), Euville (braun-beige) und Savonnière (grau-gelb) aus Frankreich und Botticino Classico (hellbeige), Perlato (beige) und Rosso Verona (hellrot)aus Italien. Häufig trifft man auch auf die Sorten Belgisch Granit/Petit Granit (grau-schwarz) aus Belgien, Negro Marquina (schwarz-weiße Textur) aus Spanien und Kota (verschieden farbig) aus Indien (Bundesstaat Rajasthan).

Der Begriff „Kalkstein“ kann für Verwirrung sorgen

So verschieden Kalkstein ist, so unterschiedlich wird auch der Begriff Kalkstein genutzt. Abhängig vom beruflichen Hintergrund werden im wissenschaftlichen Bereich damit alle stark kalkhaltigen Gesteine bezeichnet. In der Baustoffindustrie dagegen meint man mit dem Begriff jedoch nur stark verfestigte Kalke. Polierfähige Kalksteine werden häufig als Marmor bezeichnet, was aus geologischer Sicht aber nicht korrekt ist.

Fliesen-Kalkstein-Solnhofer-largeSolnhofer Kalkstein ist ein perfektes Beispiel für den farblichen Facettenreichtum des Natursteins

Entstehung von Kalkstein

Kalksteine sind Ablagerungsgesteine (Sedimente). Sie sind überwiegend sehr feinkörnig, können aber auch kleinere und größere Stücke von karbonatischen Organismen enthalten (z.B. Muschelschalen).
Die Entstehung von Kalkstein erfolgt meistens durch biogene Prozesse, kann aber auch durch chemische Ausfällung bedingt sein.
Biogene Kalksteine lagern sich durch Organismen ab. Kalk wird in das Innen- und Außenskelett von meist marinen Lebewesen eingebaut und bleibt nach dem Tod der Lebewesen zurück. Im wesentlich gibt es zwei unterschiedliche Arten von biogenen Kalksteinen: Kalksteine aus Mikroorganismen und Kalksteine aus optisch sichtbaren Organismen (überwiegend Korallen). Bei beiden Arten sinken die Überreste der Organismen auf den Grund und bilden dort sogenannte Kalkschlämme. Der Schlamm verfestigt sich nach und nach, wenn immer mehr Material auf dem Schlamm aufgelagert wird. Während der Verfestigung bildet sich im Schlamm neuer Calcit und schließt die Hohlräume im Gestein. Geht die Verfestigung noch weiter, wandelt sich der Kalk der Organismen komplett um zu neuem Calcit. Dabei wird die ursprüngliche Sedimentstruktur  vollständig ausgelöscht.
Kalksteine, die sich durch chemische Ausfällung bilden, entstehen in sogenannten Evaporitserien. Durch Verdampfung von Wasser im Flachwasserbereich (Binnensee, flaches Meer) steigt die Konzentration von Ionen im Wasser stetig an, bis die Löslichkeit der Ionen überschritten wird. Dann fallen Kalk und andere Salze aus dem Wasser aus und lagern sich am Boden des immer flacher werdenden Meeres ab. Dies geschieht sowohl in der Wassersäule als auch direkt am Meeresboden. Mit der Zeit bilden sich so mächtige Kalkschlämme. Die Kalkschlämme verfestigen sich wie auch die biogenen Kalksteine, indem überlagernde Sedimente den Schlamm zusammendrücken. Der Schlamm wird durch neu gebildeten Calcit verkittet und erhält so seine feste Form.
In seltenen Fällen werden diese primären Kalksteine später wieder abgetragen und lagern sich als grobkörnige Sedimente wieder ab.

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